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Gruppenübung und Rollenspiel im Assessment-Center des Zolls
Einstellungstest ·

Gruppenübung und Rollenspiel im Assessment-Center des Zolls

Wie Gruppenübungen und Rollenspiele im Auswahlverfahren des Zolls ablaufen und worauf die Prüfer achten.

Andreas Rothermund
5 Min Lesezeit

Im Assessment-Center zeigt sich, wie du im Team und unter Druck handelst. Gruppenübungen und Rollenspiele prüfen genau das – nicht die perfekte Lösung, sondern dein Verhalten. Dieser Ratgeber erklärt, welche Formate verbreitet sind, worauf die Beobachter achten und wie du dich vorbereitest, ohne etwas auswendig zu lernen. Er richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die den mündlichen Teil des Auswahlverfahrens vor sich haben.

Wo das Assessment-Center im Verfahren steht

Das Assessment-Center ist der mündliche, verhaltensorientierte Teil der Auswahl. Es folgt in der Regel auf den schriftlichen Test und findet in kleinen Gruppen statt. Wer den Aufbau und Ablauf des Einstellungstests kennt, weiß, dass hier nicht mehr Wissen abgefragt wird, sondern soziale und kommunikative Kompetenzen. Genau deshalb lässt sich dieser Teil nicht „pauken“ – man kann sich aber mit den Formaten vertraut machen, damit die Überraschung wegfällt.

Die Gruppenübung

In der Gruppenübung löst ihr gemeinsam eine Aufgabe oder diskutiert ein Thema. Geprüft werden Teamfähigkeit, Kommunikation und ob du dich einbringst, ohne andere zu dominieren. Zuhören zählt so viel wie Reden. Verbreitet sind mehrere Varianten:

  • Gruppendiskussion ohne Rollenvorgabe: Alle bekommen dasselbe Thema, niemand hat eine zugewiesene Position. Beobachtet wird, wer strukturiert, wer zuhört und wer die Gruppe zu einem Ergebnis führt.
  • Gruppenaufgabe mit knapper Ressource: etwa eine Rangfolge festlegen oder ein Budget verteilen. Hier zeigt sich der Umgang mit Widerspruch.
  • Kurzpräsentation: wenige Minuten Vorbereitung, dann ein knapper Vortrag. Es geht um Struktur und Verständlichkeit, nicht um Fachwissen.

Das Rollenspiel

Im Rollenspiel übernimmst du eine Rolle, etwa in einem Konflikt- oder Kontrollszenario. Ein Gegenüber – oft ein geschulter Beobachter – verhält sich fordernd oder ungehalten. Die Prüfer beobachten, wie sachlich, höflich und durchsetzungsfähig du bleibst, ohne nachzugeben. Das sind Eigenschaften, die im Zolldienst täglich gefragt sind, wenn du Menschen kontrollierst, die darüber nicht erfreut sind. Entscheidend ist nicht, den anderen zu „gewinnen“, sondern die Situation ruhig und regelkonform zu steuern. Ein häufiger Fehler ist, in die Rolle des Gegenübers zu verfallen und selbst laut oder unhöflich zu werden. Genauso ungünstig ist das andere Extrem: nachgeben, nur um den Konflikt zu beenden. Gesucht ist der Mittelweg – bestimmt in der Sache, verbindlich im Ton. Wer diese Haltung im Alltag schon einmal geübt hat, etwa im Umgang mit unzufriedenen Kunden, bringt sie leichter ins Rollenspiel ein.

Worauf die Beobachter achten

Meist bewerten mehrere Beobachter unabhängig voneinander und gleichen ihre Eindrücke anschließend ab. Das ist zu deinem Vorteil: Ein einzelner ungünstiger Moment fällt weniger ins Gewicht, weil ihn nur eine Person so gesehen hat. Bewertet werden nicht Meinungen, sondern beobachtbares Verhalten – wie du auf Widerspruch reagierst, ob du andere ausreden lässt und ob du zu einem Ergebnis beiträgst. Es gibt selten die eine richtige Lösung; entscheidend ist dein Auftreten. Hilfreich ist zu wissen, dass die Beobachter nach vorher festgelegten Kriterien arbeiten, nicht nach Sympathie. Sie notieren konkrete Beobachtungen und ordnen sie erst danach ein. Das erklärt auch, warum ein sympathischer, aber passiver Teilnehmer schlechter abschneiden kann als jemand, der sich sachlich einbringt: Bewertet wird, was sichtbar wird, nicht der Gesamteindruck als Person.

Wie du dich vorbereitest

Auswendiglernen hilft nicht, Vertrautheit schon. Sinnvoll ist, ruhiges und sachliches Auftreten in Konfliktsituationen zu üben und dir bewusst zu machen, wie du unter Zeitdruck kommunizierst. Wer weiß, wie der Testtag beim Zoll abläuft, geht entspannter hinein. Und wer sich vorher überlegt hat, was ihn zum Zoll motiviert, wirkt auch in der Gruppe glaubwürdiger, weil die eigene Haltung trägt. Authentizität schlägt einstudierte Floskeln.

Verbreitete Irrtümer

  • „Wer am meisten redet, gewinnt.“ Falsch – Vielredner, die andere übergehen, fallen negativ auf. Gesucht ist konstruktive Beteiligung.
  • „Im Rollenspiel muss ich mich durchsetzen.“ Durchsetzungsfähigkeit ja, aber sachlich und respektvoll; wer laut wird, verliert.
  • „Es gibt eine Musterlösung, die ich treffen muss.“ Meist nicht – bewertet wird der Weg dorthin, nicht ein bestimmtes Ergebnis.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine typische Gruppenaufgabe: Fünf Bewerber sollen aus einer Liste von Gegenständen die drei wichtigsten für eine fiktive Kontrolle auswählen und ihre Wahl gemeinsam begründen. Wer sofort die eigene Meinung durchdrücken will, blockiert; wer nur zustimmt, fällt nicht auf. Punkten kannst du, indem du Argumente sammelst, widersprechende Beiträge aufgreifst und am Ende hilfst, eine gemeinsame Begründung zu formulieren – genau das ist das Verhalten, das der Zoll im Dienst braucht. Ein guter Satz zur richtigen Zeit kann viel bewirken, etwa: „Ich fasse kurz zusammen, worauf wir uns einigen könnten.“ Damit übernimmst du Verantwortung für das Ergebnis, ohne andere zu übergehen – und zeigst genau die Mischung aus Struktur und Rücksicht, auf die es ankommt.

Häufige Fragen

Wie bereite ich mich auf Rollenspiele vor?

Übe ruhiges, sachliches Auftreten in Konfliktsituationen. Perfekte Lösungen sind nicht das Ziel, dein Verhalten ist es. Mach dir vorher bewusst, wie du unter Zeitdruck kommunizierst, statt Antworten auswendig zu lernen.

Muss ich in der Gruppe dominieren, um aufzufallen?

Nein. Gesucht ist konstruktive Teamarbeit – sich einbringen und zuhören gleichermaßen. Wer andere übergeht oder nur am meisten redet, fällt eher negativ auf.

Wie viele Beobachter sitzen dabei?

In der Regel mehrere, die unabhängig voneinander bewerten und ihre Eindrücke anschließend abgleichen. Das ist zu deinem Vorteil, weil ein einzelner ungünstiger Moment weniger ins Gewicht fällt.

Gibt es im Rollenspiel eine richtige Lösung?

Selten. Bewertet wird der Weg, nicht ein bestimmtes Ergebnis – ob du sachlich bleibst, andere ernst nimmst und die Situation regelkonform steuerst.




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