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Besoldung im Vergleich: Zoll vs. Polizei
Besoldung · 16. Juni 2026

Besoldung im Vergleich: Zoll vs. Polizei

Andreas Rothermund
8 Min Lesezeit

Du stehst kurz vor der Bewerbung und schwankst: Soll es der Zoll werden oder doch die Bundespolizei? Beide sind Bundesbehörden, beide bieten eine verbeamtete Laufbahn mit ordentlicher Besoldung – und genau deshalb fällt die Entscheidung so schwer. Beim Geld nehmen sich die beiden tatsächlich wenig, denn beide zahlen nach Bundesbesoldung. Die spannenderen Unterschiede stecken woanders: im Arbeitsalltag, bei den Zulagen, im Auswahlverfahren und in der Frage, was dir nach Feierabend (oder eben mitten in der Nacht) zugemutet wird. Dieser Artikel stellt beide fair gegenüber – ohne Wertung, dafür mit der ehrlichen Frage: Was passt zu dir?

Zoll oder Polizei: Worum geht es bei der Entscheidung?

Wer „zoll oder polizei“ googelt, will meistens wissen: Verdiene ich woanders mehr, und welcher Job macht mir mehr Spaß? Die kurze Antwort auf den ersten Teil: Bei der Besoldung gibt es kaum nennenswerte Unterschiede, weil sowohl die Bundeszollverwaltung als auch die Bundespolizei nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) bezahlen. Ein Anwärter im mittleren Dienst startet hier wie dort in derselben Größenordnung, ein Studium im gehobenen Dienst führt beidseitig zur Laufbahn ab A 9.

Der zweite Teil der Frage ist der eigentlich entscheidende. Zoll und Polizei haben sehr unterschiedliche Aufgaben, einen anderen Arbeitsrhythmus und teils abweichende Zulagen. Genau hier lohnt sich der genaue Blick – und den machen wir jetzt.

Besoldung: Beide nach Bundesrecht – wo die Unterschiede liegen

Beide Laufbahnen folgen der Bundesbesoldungsordnung. Während der Ausbildung (mittlerer Dienst) bekommst du Anwärterbezüge, während des dualen Studiums (gehobener Dienst) ebenfalls. Nach bestandener Prüfung steigst du im mittleren Dienst in der Regel in A 6/A 7 ein, im gehobenen Dienst in A 9. Die Grundgehaltstabelle ist für Zoll und Bundespolizei identisch, weil sie aus derselben Quelle stammt.

Der relevante Unterschied steckt bei den Zulagen. Die Bundespolizei zahlt eine Polizeizulage (eine amtsbezogene Stellenzulage für den polizeilichen Vollzugsdienst), die es beim Zoll in dieser Form nicht flächendeckend gibt. Allerdings erhalten auch Zöllner in bestimmten Bereichen – etwa im Vollzug der Kontrolleinheiten – vergleichbare Vollzugs- oder Erschwerniszulagen. Dazu kommen bei beiden Behörden Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste, Schichtzulagen und je nach Verwendung weitere Erschwerniszuschläge.

Praxisbeispiel: Zwei Bewerber, beide im mittleren Dienst, beide frisch übernommen. Wer bei der Bundespolizei im Streifendienst läuft, hat mit Polizeizulage und regelmäßigen Schichtzuschlägen am Monatsende oft ein spürbar höheres Netto als ein Zöllner im klassischen Innendienst-Sachbearbeiter-Job. Sitzt der Zöllner dagegen in einer mobilen Kontrolleinheit mit viel Außendienst und Nachtschichten, gleicht sich das durch entsprechende Zulagen wieder an. Das Grundgehalt ist gleich – den Unterschied macht, wo du eingesetzt wirst.

Orientierungstabelle: Zoll vs. Bundespolizei im Überblick

Die folgende Tabelle stellt typische Kriterien gegenüber. Die Geldwerte sind eine grobe Orientierung, kein verbindlicher Wert – Stand 2026, ohne Gewähr. Die maßgeblichen Zahlen findest du in der aktuellen Besoldungstabelle des Bundes (BVA) bzw. auf zoll.de und bundespolizei.de.

Kriterium Zoll (Bundeszollverwaltung) Bundespolizei
Besoldungssystem Bundesbesoldung (BBesG) Bundesbesoldung (BBesG)
Einstieg mittlerer Dienst ca. A 6/A 7 nach Ausbildung ca. A 6/A 7 nach Ausbildung
Einstieg gehobener Dienst ab A 9 nach dualem Studium ab A 9 nach dualem Studium
Polizeizulage in der Regel nein (teils Vollzugs-/Erschwerniszulagen) ja, im Vollzugsdienst
Schicht-/Nachtzuschläge ja, je nach Verwendung ja, im Streifendienst regelmäßig
Typischer Arbeitsalltag Kontrolle, Abfertigung, Steuern/Zölle, Ermittlungen Streife, Grenz-/Bahnschutz, Einsatz, Gefahrenabwehr
Waffe/Vollzug in Vollzugsbereichen ja, sonst nein im Vollzugsdienst ja
Schichtdienst bereichsabhängig (viel Innendienst möglich) überwiegend Schicht-/Wechseldienst

Wichtig: Die Tabelle bildet typische Fälle ab. Sowohl beim Zoll als auch bei der Bundespolizei gibt es so viele unterschiedliche Verwendungen, dass dein konkreter Alltag stark vom gewählten Bereich abhängt.

Aufgabenprofil: Was du den ganzen Tag wirklich machst

Hier trennen sich die Wege am deutlichsten. Der Zoll ist eine Finanz- und Sicherheitsbehörde mit einem riesigen Aufgabenfeld: Warenkontrolle an Grenzen und Flughäfen, Abfertigung von Importen und Exporten, Erhebung von Zöllen und Verbrauchsteuern, Bekämpfung von Schwarzarbeit (Finanzkontrolle Schwarzarbeit), Schmuggel- und Artenschutzkontrollen bis hin zu Ermittlungen im Zollfahndungsdienst. Viele Zöllner arbeiten in der Sachbearbeitung, andere im handfesten Kontrolldienst. Du kannst also stark zwischen Schreibtisch und Außeneinsatz variieren.

Die Bundespolizei ist klassischer Polizeivollzug auf Bundesebene: Grenzschutz, Sicherheit an Bahnhöfen und im Zugverkehr (Bahnpolizei), Schutz von Flughäfen (Luftsicherheit), Einsätze bei Großlagen, Unterstützung der Länderpolizeien, dazu Spezialeinheiten. Hier dominiert der operative Einsatz mit Uniform, Streife und unmittelbarer Gefahrenabwehr.

Faustregel: Reizt dich eine Mischung aus Recht, Steuern, Logistik und Kontrolle mit der Option auf viel Büroarbeit? Dann passt der Zoll gut. Willst du primär draußen sein, im Team Einsätze fahren und unmittelbar für Sicherheit sorgen? Dann liegt die Bundespolizei näher.

Auswahlverfahren: Wo es sich unterscheidet

Beide Behörden setzen auf ein mehrstufiges Auswahlverfahren mit schriftlichem Test, Sporttest, ärztlicher Untersuchung und einem mündlichen Teil (Interview/Assessment). Die Grundbausteine ähneln sich also.

Der spürbarste Unterschied liegt beim Sport und der körperlichen Eignung. Die Bundespolizei legt als Vollzugsbehörde traditionell hohen Wert auf den Sporttest und die polizeiärztliche Tauglichkeit – Fitness ist hier ein zentrales Kriterium. Beim Zoll gibt es ebenfalls einen Sporttest, je nach Laufbahn und Verwendung kann der Fokus aber etwas anders gewichtet sein, gerade weil viele Zoll-Tätigkeiten nicht reiner Vollzug sind. Der schriftliche Test prüft bei beiden Allgemeinwissen, Logik, Sprachverständnis und Konzentration; beim Zoll spielen rechtlich-kaufmännische und steuerliche Inhalte tendenziell eine größere Rolle.

Tipp: Bereite dich behördenspezifisch vor. Die aktuellen Anforderungen und Testbestandteile stehen auf zoll-karriere.de bzw. im Karrierebereich der Bundespolizei – verlass dich auf diese offiziellen Quellen, nicht auf veraltete Foren-Hörensagen.

Work-Life-Balance und Schichtdienst

Dieser Punkt entscheidet im Alltag oft mehr als ein paar Euro Zulage. Bei der Bundespolizei ist Schicht- und Wechseldienst im Vollzug die Regel: Nachtschichten, Wochenenden, Feiertage, gelegentlich bundesweite Einsätze und Versetzungen gehören dazu. Das bringt Zuschläge, kostet aber Planbarkeit.

Beim Zoll ist das Bild gemischter. Im Kontroll- und Vollzugsdienst – etwa an Flughäfen oder bei mobilen Kontrolleinheiten – gibt es ebenfalls Schicht- und Nachtdienst. Viele Zoll-Tätigkeiten in der Sachbearbeitung laufen aber in geregelten Bürozeiten. Wer Wert auf einen planbaren Alltag mit Wochenenden frei legt, findet beim Zoll eher passende Verwendungen als im Streifendienst der Bundespolizei.

Praxisbeispiel: Wer eine junge Familie hat und Schichtdienst möglichst vermeiden möchte, fühlt sich in einem Zoll-Sachgebiet mit Gleitzeit oft wohler. Wer den Adrenalin-Wechsel, das Team und die Abwechslung des Einsatzdienstes sucht, langweilt sich im Büro – und ist bei der Bundespolizei besser aufgehoben.

Aufstiegschancen und Entwicklung

In beiden Laufbahnen kannst du dich entwickeln. Aus dem mittleren Dienst ist der Aufstieg in den gehobenen Dienst möglich, aus dem gehobenen perspektivisch in den höheren Dienst – jeweils über interne Auswahlverfahren und Qualifizierungen. Die Besoldung wächst dabei mit den Erfahrungsstufen automatisch und mit jeder Beförderung in der A-Besoldung spürbar.

Beim Zoll profitierst du von der Breite der Behörde: Sachbearbeitung, Prüfungsdienst, Fahndung, Recht, IT, Personal – die Wechselmöglichkeiten zwischen Fachbereichen sind groß. Bei der Bundespolizei gibt es ebenfalls vielfältige Spezialisierungen, vom Diensthundeführer über Flugdienst bis zu Spezialeinheiten und Führungsfunktionen im Einsatz. Karriere machst du in beiden Häusern – die Frage ist, in welche Richtung sie dich zieht.

Passt zu wem? Eine ehrliche Einordnung

Statt „besser oder schlechter“ hilft die Frage nach dem Typ. Der Zoll passt gut, wenn dich Recht, Steuern, Wirtschaft und Kontrolle interessieren, du eine breite Behörde mit vielen Bürotätigkeiten und Wechseloptionen schätzt und planbare Arbeitszeiten ein Plus für dich sind. Die Bundespolizei passt gut, wenn du den operativen Einsatz, Uniform und Streife, Teamdienst und Action im Vollzug suchst und mit Schichtdienst sowie bundesweiter Flexibilität gut leben kannst.

Beim Geld kannst du beide ruhigen Gewissens gegeneinander abwägen – das Grundgerüst ist identisch, die Unterschiede entstehen über Zulagen und deine konkrete Verwendung. Entscheide also über den Inhalt der Arbeit, nicht über ein paar Euro auf dem Papier.

FAQ: Zoll oder Polizei

Verdient man beim Zoll oder bei der Polizei mehr?

Das Grundgehalt ist nahezu gleich, weil beide nach Bundesbesoldung (BBesG) bezahlen. Unterschiede entstehen vor allem durch Zulagen – etwa die Polizeizulage im Vollzugsdienst der Bundespolizei – und durch Schicht- und Erschwerniszuschläge je nach Einsatzbereich. Wer viel Schicht- und Nachtdienst leistet, verdient netto mehr, egal in welcher Behörde.

Ist das Auswahlverfahren beim Zoll leichter als bei der Bundespolizei?

„Leichter“ ist die falsche Brille. Beide haben mehrstufige Verfahren mit Test, Sport, ärztlicher Untersuchung und Interview. Die Bundespolizei legt als reine Vollzugsbehörde traditionell starken Fokus auf Fitness und Tauglichkeit, beim Zoll spielen rechtlich-steuerliche Inhalte oft eine größere Rolle. Welches dir leichter fällt, hängt von deinen Stärken ab.

Muss man beim Zoll auch eine Waffe tragen?

Das hängt vom Bereich ab. In Vollzugsverwendungen (zum Beispiel Kontrolleinheiten oder Zollfahndung) gehört die Bewaffnung dazu, in vielen Sachbearbeitungs- und Innendienst-Tätigkeiten dagegen nicht. Bei der Bundespolizei im Vollzugsdienst ist die Bewaffnung Standard.

Wo habe ich planbarere Arbeitszeiten?

Tendenziell beim Zoll, weil dort viele Verwendungen im geregelten Bürodienst mit Gleitzeit liegen. Bei der Bundespolizei im Vollzug ist Schicht- und Wechseldienst die Regel. Beim Zoll gibt es aber ebenfalls Schichtbereiche, etwa an Flughäfen – die Realität hängt also von deiner konkreten Stelle ab.

Kann ich später zwischen Zoll und Polizei wechseln?

Ein direkter Wechsel ist kein Selbstläufer, da es unterschiedliche Laufbahnen und Auswahlverfahren sind. Innerhalb der jeweiligen Behörde kannst du dich jedoch breit weiterentwickeln. Informiere dich vor einer Bewerbung gründlich über zoll-karriere.de bzw. die Karriereseite der Bundespolizei, welche Wege offenstehen.

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