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Höherer Dienst beim Zoll: Referendariat & Aufstieg
Laufbahnen · 16. Juni 2026

Höherer Dienst beim Zoll: Referendariat & Aufstieg

Andreas Rothermund
10 Min Lesezeit

Du willst nicht nur beim Zoll arbeiten, sondern später auch Verantwortung tragen, Projekte leiten oder strategische Entscheidungen mitgestalten? Dann führt dein Weg früher oder später am höheren Dienst beim Zoll vorbei. Dieser Karriereweg ist anspruchsvoller als die Laufbahnen im mittleren oder gehobenen Dienst, eröffnet dir aber auch ganz andere Perspektiven – von der Leitung eines Hauptzollamts bis zu Positionen in der Generalzolldirektion oder im Bundesfinanzministerium. Was dich auf diesem Weg erwartet, wie der Vorbereitungsdienst abläuft und wer überhaupt für den höheren Dienst beim Zoll infrage kommt, schauen wir uns hier im Detail an.

Höherer Dienst Zoll: Was diese Laufbahn ausmacht

Der höhere Dienst ist die oberste Laufbahngruppe innerhalb der Bundeszollverwaltung. Während der mittlere Dienst den operativen Vollzug übernimmt und der gehobene Dienst Sachbearbeitung, Ermittlungen und erste Führungsaufgaben verantwortet, geht es im höheren Dienst um strategische Steuerung, Grundsatzfragen und Führung auf höherer Ebene. Wer hier einsteigt, landet selten direkt am Schreibtisch im Hauptzollamt vor Ort, sondern eher in Bereichen, in denen Entscheidungen mit Tragweite getroffen werden: Gesetzesauslegung, Organisationsentwicklung, internationale Zusammenarbeit oder die fachliche Steuerung ganzer Dienststellen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Während ein Zollbeamter im gehobenen Dienst eine konkrete Steuerhinterziehung ermittelt, entwickelt jemand im höheren Dienst möglicherweise die Vorgaben, nach denen solche Ermittlungen bundesweit einheitlich ablaufen sollen, oder vertritt die Zollverwaltung in einem Fachgremium auf europäischer Ebene. Der Unterschied liegt also weniger in der „Wichtigkeit“ der Arbeit als in der Flughöhe: operative Umsetzung versus strategische Steuerung.

Für wen sich dieser Weg eignet

Der höhere Dienst beim Zoll ist nichts für jeden – und das ist auch gut so. Er passt zu dir, wenn du bereits ein Studium abgeschlossen hast oder anstrebst, dich für komplexe rechtliche und wirtschaftliche Fragestellungen interessierst und mittelfristig Führungs- oder Grundsatzaufgaben übernehmen willst. Wenn dir dagegen der direkte Kontakt mit Reisenden, Fahrzeugen oder Unternehmen vor Ort am wichtigsten ist, bist du im mittleren oder gehobenen Dienst oft besser aufgehoben. Der höhere Dienst bedeutet mehr Schreibtischarbeit, mehr Abstimmungsprozesse und einen längeren Qualifizierungsweg – dafür aber auch deutlich mehr Gestaltungsspielraum auf lange Sicht.

Zugang zum höheren Dienst: Welche Voraussetzungen du brauchst

Der klassische Zugangsweg in den höheren Dienst läuft über ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf Masterniveau beziehungsweise mit einem vergleichbaren Abschluss. In der Praxis sind das häufig Studiengänge aus den Bereichen Rechtswissenschaften (insbesondere mit Bezug zu Verwaltungs-, Steuer- oder Europarecht), Wirtschaftswissenschaften oder verwandte Fachrichtungen mit Bezug zu Verwaltung, Finanzen oder öffentlicher Ökonomie. Welche Fachrichtungen konkret zugelassen werden und welche formalen Anforderungen im Detail gelten, legt die Bundeszollverwaltung in ihren aktuellen Ausschreibungen fest – diese findest du auf zoll-karriere.de und auf den offiziellen Stellenportalen des Bundes.

Neben dem fachlichen Abschluss spielt bei der Auswahl für den höheren Dienst auch das Auswahlverfahren selbst eine große Rolle. Hier wird typischerweise nicht nur Fachwissen abgefragt, sondern auch analytisches Denken, Entscheidungsfähigkeit und die Eignung für spätere Führungsaufgaben getestet – etwa über schriftliche Tests, Fallbearbeitungen und strukturierte Interviews. Wer sich auf diesen Weg vorbereitet, sollte sich also nicht nur fachlich, sondern auch auf mehrstufige Auswahlverfahren mit Assessment-Charakter einstellen.

Ein weiterer möglicher Zugang ist der Aufstieg aus dem gehobenen Dienst, dazu aber gleich mehr im entsprechenden Abschnitt.

Das Referendariat: Dein Vorbereitungsdienst im höheren Dienst

Wer für den höheren Dienst ausgewählt wird, startet nicht sofort in der Endposition, sondern durchläuft zunächst einen Vorbereitungsdienst – oft als „Referendariat“ bezeichnet, in Anlehnung an vergleichbare Vorbereitungsdienste in anderen Verwaltungszweigen. Dieser Vorbereitungsdienst dient dazu, dich praxisnah und systematisch auf die spätere Verwendung im höheren Dienst vorzubereiten. Er kombiniert in der Regel Stationen in verschiedenen Bereichen der Zollverwaltung mit theoretischen Ausbildungsabschnitten, sodass du sowohl die operative Basis als auch die strategische Ebene der Behörde kennenlernst.

Stell dir das wie ein intensives Trainee-Programm mit Beamtenstatus vor: Du wechselst zwischen verschiedenen Stationen – etwa Hauptzollamt, Generalzolldirektion oder Fachbereiche mit rechtlichem oder wirtschaftlichem Schwerpunkt – und sammelst so ein breites Verständnis dafür, wie die einzelnen Ebenen der Zollverwaltung zusammenspielen. Am Ende des Vorbereitungsdienstes steht in der Regel eine Prüfung, die über die endgültige Übernahme beziehungsweise die Ernennung in der entsprechenden Funktion entscheidet. Die genaue Dauer, der Aufbau der einzelnen Ausbildungsabschnitte und die Prüfungsmodalitäten unterscheiden sich je nach aktueller Ausbildungs- und Prüfungsordnung – verlässliche und aktuelle Angaben dazu findest du auf zoll.de und zoll-karriere.de.

Typische Verwendungen im höheren Dienst

Nach erfolgreichem Abschluss des Vorbereitungsdienstes stehen dir verschiedene Einsatzbereiche offen. Viele Absolventinnen und Absolventen übernehmen zunächst Leitungs- oder Führungsfunktionen in Dienststellen vor Ort, etwa als Leitung eines Sachgebiets oder einer Abteilung in einem Hauptzollamt. Andere wechseln in zentrale Bereiche wie die Generalzolldirektion, die als zentrale Steuerungsbehörde der Zollverwaltung fungiert und dort unter anderem für Grundsatzfragen, Personal, Organisation und die fachliche Steuerung der nachgeordneten Dienststellen verantwortlich ist.

Eine weitere mögliche Station ist die Mitarbeit im Bundesministerium der Finanzen (BMF), das die fachliche und politische Aufsicht über die Zollverwaltung innehat. Hier geht es dann häufig um Gesetzgebungsverfahren, internationale Abstimmungsprozesse – etwa im Rahmen der EU-Zollunion – oder grundsätzliche strategische Weichenstellungen für die gesamte Behörde. Wieder andere Verwendungen liegen im Bereich der Ausbildung, etwa an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, oder in spezialisierten Fachreferaten mit Schwerpunkt auf Steuerrecht, Außenwirtschaftsrecht oder Ermittlungsmethodik.

Gemeinsam ist all diesen Verwendungen, dass sie mehr konzeptionelle und steuernde Aufgaben beinhalten als der unmittelbare operative Vollzug. Das bedeutet nicht, dass der Praxisbezug verloren geht – viele Führungskräfte im höheren Dienst haben weiterhin engen Kontakt zu den operativen Einheiten –, aber der Schwerpunkt verschiebt sich deutlich in Richtung Steuerung, Personalverantwortung und Grundsatzarbeit.

Besoldung im höheren Dienst: Größenordnung und Einordnung

Bei der Frage nach dem Gehalt im höheren Dienst wird es naturgemäß konkret – und genau hier ist Vorsicht geboten. Die Besoldung von Bundesbeamtinnen und -beamten richtet sich nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) und den dazugehörigen Besoldungsordnungen (BBesO). Der Einstieg in den höheren Dienst erfolgt typischerweise im Bereich der Besoldungsgruppe A13h (höherer Dienst) aufwärts, abhängig von der konkreten Funktion, der Erfahrung und etwaigen Zulagen kann die Einstufung aber variieren. Mit zunehmender Verantwortung, etwa in Leitungsfunktionen der Generalzolldirektion oder vergleichbaren Positionen, sind auch höhere Besoldungsgruppen bis in den B-Bereich möglich.

Wichtig: Diese Angaben dienen ausschließlich der groben Orientierung. Die tatsächliche Einstufung hängt von der konkreten Stelle, deiner familiären Situation (etwa beim Familienzuschlag), dem Dienstort und weiteren individuellen Faktoren ab. Nenne hier bewusst keine exakten Eurobeträge, weil sich diese durch Besoldungsanpassungen regelmäßig ändern.

Besoldungsgruppe Typische Einordnung Hinweis
A13h / A14 Einstieg höherer Dienst, erste Führungsfunktionen Grobe Orientierung, kein verbindlicher Wert
A15 / A16 Erfahrene Führungskräfte, größere Leitungsaufgaben Grobe Orientierung, kein verbindlicher Wert
B-Besoldung Spitzenpositionen, z. B. in der Generalzolldirektion Grobe Orientierung, kein verbindlicher Wert

Diese Tabelle ersetzt keine verbindliche Auskunft. Die aktuell gültigen Beträge und Stufen findest du ausschließlich in der offiziellen Besoldungstabelle des Bundesverwaltungsamts (BVA) beziehungsweise auf zoll.de – Stand 2026, ohne Gewähr.

Aufstieg aus dem gehobenen Dienst in den höheren Dienst

Nicht jeder, der im höheren Dienst landet, startet dort direkt nach dem Studium. Ein etablierter zweiter Weg ist der sogenannte Aufstieg aus dem gehobenen Dienst. Damit ist gemeint, dass erfahrene Beamtinnen und Beamte, die bereits im gehobenen Dienst tätig sind, sich für ein spezielles Aufstiegsverfahren bewerben und nach erfolgreicher Teilnahme in den höheren Dienst wechseln können.

Stell dir das so vor: Eine Sachbearbeiterin im gehobenen Dienst, die seit Jahren in der Zollfahndung arbeitet, exzellente Beurteilungen hat und sich fachlich weiterentwickeln möchte, bewirbt sich auf ein internes Aufstiegsverfahren. Statt eines kompletten Neustarts mit Vorbereitungsdienst von vorne durchläuft sie ein speziell für Aufsteigerinnen und Aufsteiger konzipiertes Qualifizierungsprogramm, das ihre bereits vorhandene Praxiserfahrung berücksichtigt, aber die zusätzlichen fachlichen und konzeptionellen Anforderungen des höheren Dienstes vermittelt. Die genauen Voraussetzungen – etwa Mindestdienstzeiten, erforderliche Beurteilungsnoten oder zusätzliche Qualifizierungsbausteine – legt die Zollverwaltung in eigenen Aufstiegsregelungen fest, die sich im Detail ändern können. Wer diesen Weg konkret plant, sollte sich daher direkt bei der Generalzolldirektion oder über die innerdienstlichen Stellenausschreibungen informieren.

Der Aufstieg ist gerade für Berufserfahrene attraktiv, die bereits wissen, wie die Zollverwaltung „von innen“ funktioniert, sich aber noch nicht für ein komplettes externes Studium samt neuem Auswahlverfahren entscheiden wollen oder können. Er verlangt allerdings Durchhaltevermögen, da die Qualifizierung neben dem laufenden Dienst zusätzlichen Lern- und Zeitaufwand bedeutet.

Realistisch eingeordnet: Lohnt sich der höhere Dienst für dich?

Der höhere Dienst beim Zoll ist kein Weg, den man „nebenbei“ einschlägt. Er verlangt ein abgeschlossenes Studium, ein anspruchsvolles Auswahlverfahren und einen mehrjährigen Vorbereitungsdienst, bevor du in einer Funktion mit echter Gestaltungsmacht ankommst. Dafür bietet er etwas, das die anderen Laufbahnen so nicht leisten: die Möglichkeit, an den Grundsatzfragen der Zollverwaltung mitzuwirken, Führungsverantwortung auf höherer Ebene zu übernehmen und langfristig in zentralen Institutionen wie der Generalzolldirektion oder dem Bundesfinanzministerium zu arbeiten.

Wenn du dich für Recht, Wirtschaft und Verwaltungssteuerung begeisterst, gerne konzeptionell arbeitest und langfristig denkst, ist der höhere Dienst eine der spannendsten Optionen innerhalb der Bundeszollverwaltung. Wenn dir dagegen der unmittelbare operative Einsatz wichtiger ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf den gehobenen Dienst – mit der Option, später über das Aufstiegsverfahren trotzdem noch in den höheren Dienst zu wechseln.

Brauche ich unbedingt ein Jurastudium für den höheren Dienst beim Zoll?

Nein, zwingend ist das nicht. Rechtswissenschaftliche Abschlüsse sind häufig vertreten, weil viele Aufgaben im höheren Dienst rechtliche Fragestellungen betreffen, aber auch wirtschaftswissenschaftliche und verwandte Studiengänge können je nach aktueller Ausschreibung zugelassen sein. Maßgeblich sind immer die konkreten Anforderungen der jeweiligen Stellenausschreibung auf zoll-karriere.de.

Wie lange dauert der Vorbereitungsdienst für den höheren Dienst?

Die genaue Dauer ist in der jeweils gültigen Ausbildungs- und Prüfungsordnung geregelt und kann sich ändern. Verlässliche, aktuelle Angaben findest du direkt auf zoll.de beziehungsweise zoll-karriere.de.

Kann ich vom gehobenen Dienst direkt nach dem Studium in den höheren Dienst wechseln?

Der reguläre Zugang erfolgt über das externe Auswahlverfahren mit Hochschulabschluss. Wer bereits im gehobenen Dienst beschäftigt ist, kann alternativ über ein spezielles Aufstiegsverfahren in den höheren Dienst wechseln, sofern die dafür festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind.

Verdiene ich im höheren Dienst automatisch deutlich mehr als im gehobenen Dienst?

Tendenziell ja, da der höhere Dienst in höheren Besoldungsgruppen eingestuft ist. Die genaue Differenz hängt aber von der konkreten Funktion, der Erfahrungsstufe und individuellen Faktoren ab. Verbindliche Werte liefert ausschließlich die aktuelle Besoldungstabelle des BVA – Stand 2026, ohne Gewähr.

Ist der höhere Dienst beim Zoll mit einer normalen Verwaltungskarriere vergleichbar?

In groben Zügen ja: Wie in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes mit höherem Dienst geht es um Führung, Grundsatzarbeit und strategische Steuerung. Die fachlichen Inhalte unterscheiden sich aber deutlich, da sie sich auf Zoll-, Außenwirtschafts- und Steuerrecht sowie die spezifischen Aufgaben der Bundeszollverwaltung konzentrieren.

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