
Höherer Dienst beim Zoll: Einstieg für Volljuristen & Aufstieg
Du willst beim Zoll nicht nur mitarbeiten, sondern von Anfang an Verantwortung für ein Team tragen oder bundesweite Vorgaben mitgestalten? Dann ist der höhere Dienst die Laufbahn, um die es geht. Anders als die Laufbahnen im mittleren und gehobenen Dienst beginnt er nicht mit einer Ausbildung oder einem dualen Studium beim Zoll. Für den Direkteinstieg als Führungskraft stellt der Zoll Volljuristinnen und Volljuristen ein, die vom ersten Tag an führen. Daneben nennt der Zoll auf seiner Karriereseite weitere Direkteinstiege, etwa für Wissenschaftlerinnen, IT-Fachkräfte und Spezialisten – welche Laufbahn dazu gehört, steht in der jeweiligen Ausschreibung. Daneben gibt es für Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes den Aufstieg, den die Bundeslaufbahnverordnung (BLV) regelt. Wie beide Wege aussehen, was du mitbringen musst und wie die Besoldung startet, erfährst du hier – so, wie es der Zoll und die BLV selbst beschreiben.
Höherer Dienst Zoll: Was diese Laufbahn ausmacht
Der höhere Dienst ist die oberste Laufbahngruppe der Zollverwaltung. Wer hier einsteigt, übernimmt Führungs- und Spezialistenaufgaben. Der Zoll nennt zwei typische Startpunkte: die Leitung eines Sachgebiets bei einem Hauptzollamt, wo du für ein Team von circa 30 bis 150 Beschäftigten fachlich verantwortlich bist, oder eine Tätigkeit als Referentin bzw. Referent in der Generalzolldirektion, die mit bundesweit geltenden Vorgaben und fachlicher Beratung die Arbeit der Ortsbehörden steuert. Von dort reichen die Wege bis zur Leitung einer ganzen Ortsbehörde und in die höchsten Führungsfunktionen der Verwaltung.
Ein Beispiel aus der Praxis: Während eine Zollbeamtin im gehobenen Dienst einen konkreten Fall bearbeitet, entwickelt eine Kollegin im höheren Dienst in der Generalzolldirektion vielleicht die Vorgaben, nach denen solche Fälle bundesweit einheitlich behandelt werden – oder sie leitet das Sachgebiet, in dem die Fälle anfallen. Der Unterschied liegt weniger in der Wichtigkeit der Arbeit als in der Flughöhe: Umsetzung im Einzelfall gegenüber Steuerung und Führung.
Für wen sich dieser Weg eignet
Der höhere Dienst beim Zoll passt zu dir, wenn du Jura studiert und beide Staatsexamina abgelegt hast oder als Beamtin bzw. Beamter im gehobenen Dienst den Aufstieg anstrebst – und wenn du gern führst. Der Zoll wünscht sich Menschen, die gerne führen, kommunikationsstark sind, lösungsorientiert denken und motiviert an neue Aufgaben gehen. Wenn dir dagegen der direkte Kontakt mit Reisenden, Fahrzeugen oder Unternehmen vor Ort am wichtigsten ist, bist du im mittleren oder gehobenen Dienst oft besser aufgehoben; einen Überblick über den Beruf gibt der Ratgeber Zollbeamter werden.
In den ersten fünf Dienstjahren meist kein Ruhegehalt
Wirst du als Anwärter oder Beamter auf Probe dienstunfähig, bekommst du vor Ablauf der fünfjährigen Wartezeit in der Regel kein Ruhegehalt – es sei denn, die Dienstunfähigkeit geht auf einen Dienstunfall oder eine im Dienst erlittene Schädigung zurück – dann greift die Unfallfürsorge. Kostenlose Erstinformation anfordern:
Direkteinstieg: Welche Voraussetzungen du brauchst
Die Zollverwaltung stellt für den höheren Dienst Volljuristinnen und Volljuristen ein, die beide Staatsexamina mindestens mit „befriedigend“ bestanden haben. Besondere Fachkenntnisse im Zollrecht oder Führungserfahrung setzt der Zoll ausdrücklich nicht voraus – die zollspezifischen Themen kommen in der juristischen Ausbildung kaum vor und werden nach der Einstellung vermittelt, vor allem durch Einarbeitung auf dem ersten Dienstposten und durch interne Fortbildungen. Außerdem musst du jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung eintreten.
Eingestellt wird grundsätzlich ganzjährig, und zwar über konkrete Stellenausschreibungen, die der Zoll in der Rubrik „Stellenangebote“ veröffentlicht. Die Auswahl fällt auf Basis eines circa zweistündigen, strukturierten Interviews. Weil Führung beim Zoll eine prägende Rolle spielt, prüft er diesen Bereich zusätzlich mit einem sequenziellen Element. Einen schriftlichen Test, einen Sporttest oder ein Sportabzeichen nennt der Zoll für den höheren Dienst nicht.
Einarbeitung statt Referendariat
Ein eigenes Referendariat beim Zoll durchläufst du im Direkteinstieg nicht: Den juristischen Vorbereitungsdienst hast du mit dem zweiten Staatsexamen bereits abgeschlossen. Stattdessen folgt eine Berufseinführung, die in der Regel 12 Monate dauert – der Zoll bezeichnet sie auf seiner Karriereseite als Vorbereitungsdienst. Zum Start im ersten Jahr gehört ein Lehrgang über mehrere Wochen in Münster, der ohne Prüfung endet. Danach vertieft eine modular aufgebaute Führungskräftefortbildung vor allem Kommunikation, Führungsinstrumente und Konfliktmanagement. Ergänzend nennt der Zoll Führungskräfte-Feedback, persönliches Coaching und Fachlehrgänge.
Ein Praxisbeispiel: Lara hat beide Staatsexamina mit „befriedigend“ bestanden und bewirbt sich auf eine ausgeschriebene Stelle als Sachgebietsleiterin an einem Hauptzollamt. Nach dem strukturierten Interview erhält sie die Zusage. In ihrem ersten Jahr leitet sie bereits ihr Sachgebiet, besucht den Einführungslehrgang in Münster und arbeitet sich mit Unterstützung ihres Vorgesetzten und ihres Teams in das Zollrecht ein. Die Führungskräftefortbildung begleitet sie danach in Modulen.
Typische Verwendungen im höheren Dienst
Die Einsatzmöglichkeiten sind breit. Neben Sachgebietsleitungen an Hauptzollämtern und Referentenstellen in der Generalzolldirektion ist grundsätzlich auch eine Verwendung im Bundesministerium der Finanzen möglich. International ist der Zoll ebenfalls präsent, etwa mit Zollverbindungsbeamtinnen und -beamten oder in internationalen Institutionen. Wie viele Führungspositionen es gibt, zeigt die Übersicht des Zolls: Dazu zählen unter anderem 67 Referatsleitungen, 41 Leitungen von Hauptzollämtern und 8 Leitungen von Zollfahndungsämtern. Wer lieber lehrt, kann als hauptamtlich Lehrende bzw. Lehrender an der Hochschule des Bundes (Fachbereich Finanzen, Standorte Münster und Rostock) den Nachwuchs des gehobenen Zolldienstes ausbilden – auch dafür sucht der Zoll Volljuristinnen und Volljuristen.
Weil der Zoll Dienststellen im gesamten Bundesgebiet hat, können örtliche Wünsche berücksichtigt werden. Teilzeit, alternierende Telearbeit und mobile Arbeit sind nach Angaben des Zolls auch für Führungskräfte möglich.
Besoldung im höheren Dienst: Einstieg und Einordnung
Die Besoldung richtet sich nach dem Bundesbesoldungsgesetz. Du startest als Regierungsrätin bzw. Regierungsrat in der Besoldungsgruppe A 13h. Die Dienstposten im Eingangsamt sind sowohl nach A 13h als auch nach A 14 bewertet – eine Beförderung zur Oberregierungsrätin bzw. zum Oberregierungsrat ist also schon auf dem ersten Dienstposten möglich. Dienstposten ab A 15 schreibt der Zoll grundsätzlich behördenintern bundesweit aus.
Ein Detail, das sich direkt auf dein Gehalt auswirkt: Für den juristischen Vorbereitungsdienst erkennt der Zoll pauschal eine zweijährige Erfahrungszeit an. Mit zweitem Staatsexamen wirst du deshalb schon ab der Einstellung nach Erfahrungsstufe 2 besoldet. Hinzu kommt je nach Familienstand der Familienzuschlag. Konkrete Beträge nennen wir hier nicht, weil sie sich mit jeder Besoldungsanpassung ändern – den aktuellen Stand liefert der Bezügerechner des Bundesverwaltungsamts, eine Übersicht der unteren Gruppen findest du unter Zoll-Gehalt 2026 (A7–A13).
| Stufe | Was der Zoll dazu sagt |
|---|---|
| A 13h (Regierungsrat/-rätin) | Eingangsamt beim Direkteinstieg, Einstufung mit zweitem Staatsexamen in Erfahrungsstufe 2 |
| A 14 (Oberregierungsrat/-rätin) | Beförderung auf dem ersten Dienstposten möglich (Bündelung A 13h/A 14) |
| ab A 15 | Dienstposten werden grundsätzlich behördenintern bundesweit ausgeschrieben |
So liest du die Tabelle: Sie zeigt die Stufen, zu denen der Zoll selbst Angaben macht. Welche Besoldungsgruppe eine bestimmte Leitungsfunktion hat, hängt von der Bewertung des Dienstpostens ab und steht in der jeweiligen Ausschreibung.
Aufstieg aus dem gehobenen Dienst in den höheren Dienst
Der zweite Weg führt über den Aufstieg. Ihn regelt die Bundeslaufbahnverordnung für alle Bundesbeamtinnen und -beamten, also auch beim Zoll. Neben den beiden unten beschriebenen Wegen nennt die BLV auch den Aufstieg über einen Vorbereitungsdienst. Welche Aufstiegswege er konkret anbietet, gibt der Dienstherr jeweils in einer Ausschreibung bekannt. Die BLV verlangt dabei, dass berufsbegleitende und in Module gegliederte Aufstiegsverfahren angeboten werden, soweit keine dienstlichen Gründe dagegen sprechen. Vorab kann die Dienstbehörde anhand deiner dienstlichen Beurteilungen eine Vorauswahl treffen – gute Beurteilungen sind also schon für den ersten Schritt wichtig.
- Zulassung zum Auswahlverfahren: Du musst dich nach Ablauf der Probezeit mindestens drei Jahre bewährt haben und darfst zum Ende der Ausschreibungsfrist noch nicht 60 Jahre alt sein. Für die fachspezifische Qualifizierung musst du außerdem das zweite Beförderungsamt erreicht haben.
- Auswahlverfahren: Eine Auswahlkommission prüft deine Eignung mindestens in einem strukturierten oder halbstrukturierten Interview; beim Aufstieg in den höheren Dienst kommen schriftliche Aufgaben hinzu. Aus den Ergebnissen entsteht eine Rangfolge, die für die Zulassung maßgeblich ist; entscheiden tut die oberste Dienstbehörde auf Vorschlag der Auswahlkommission.
- Weg 1 – fachspezifische Qualifizierung: Sie dauert mindestens zwei Jahre und besteht aus einer fachtheoretischen Ausbildung (in der Regel mindestens zwölf Monate, teilweise oder überwiegend berufsbegleitend möglich, mit Leistungstests und einer abschließenden schriftlichen Arbeit) und einer berufspraktischen Einführung, in der du möglichst in zwei Verwendungsbereichen eingesetzt wirst. Ob du die Qualifizierung erfolgreich abgeschlossen hast, stellt am Ende der Bundespersonalausschuss oder ein von ihm beauftragter Ausschuss fest (mit dessen Zustimmung kann auch die oberste Dienstbehörde das Verfahren selbst durchführen); dieses Feststellungsverfahren kann einmal wiederholt werden.
- Weg 2 – Masterstudium und berufspraktische Einführung: Mit einem Master oder einem gleichwertigen Abschluss und einer einjährigen berufspraktischen Einführung in der höheren Laufbahn. Die Einführung endet mit einer dienstlichen Beurteilung, ob du dich bewährt hast.
- Danach: Mit der Befähigung erhältst du im Rahmen freier Planstellen ein Amt der neuen Laufbahn; das erste Beförderungsamt frühestens nach einem Jahr.
Ein Punkt, den viele übersehen: Wer nach einer vom Dienstherrn bezahlten fachspezifischen Qualifizierung oder Hochschulausbildung entlassen wird, muss die Kosten grundsätzlich erstatten, wenn er nicht mindestens dreimal so lange Dienst geleistet hat, wie die Qualifizierung gedauert hat. In Härtefällen kann darauf verzichtet werden.
Ein Praxisbeispiel: Tobias ist Beamter im gehobenen Dienst und hat das zweite Beförderungsamt erreicht; seine Probezeit liegt mehr als drei Jahre zurück. Als eine Ausschreibung für den Aufstieg erscheint, bewirbt er sich, bearbeitet die schriftlichen Aufgaben und besteht das Interview. Er wird zur fachspezifischen Qualifizierung zugelassen, die mindestens zwei Jahre dauert. Weil er danach mindestens das Dreifache dieser Zeit im Dienst bleiben will, muss er sich um eine Kostenerstattung keine Gedanken machen.
Bewerbung: So gehst du vor
Für den Direkteinstieg bewirbst du dich nicht zu einem festen Termin, sondern auf eine konkrete Ausschreibung. Prüfe darin, für welchen Dienstort und welche Funktion die Stelle gedacht ist und welche Unterlagen verlangt werden. Weil der Zoll ganzjährig einstellt, lohnt es sich, die Stellenangebote regelmäßig anzusehen. Bereite dich auf das strukturierte Interview vor, indem du dir überlegst, wie du ein Team führen, Konflikte lösen und Entscheidungen begründen würdest – genau diesen Bereich prüft der Zoll zusätzlich. Fachwissen im Zollrecht wird nicht erwartet, ein Grundverständnis der Aufgaben des Zolls hilft aber, deine Motivation überzeugend darzustellen. Für den Aufstieg gilt dagegen: Achte auf die Ausschreibungen deines Dienstherrn und kläre früh mit deiner Führungskraft, ob du die Voraussetzungen erfüllst.
Realistisch eingeordnet: Lohnt sich der höhere Dienst für dich?
Der höhere Dienst beim Zoll ist kein Weg, den man nebenbei einschlägt: Im Direkteinstieg brauchst du zwei juristische Staatsexamina und übernimmst vom ersten Tag an Führungsverantwortung; im Aufstieg sind mehrere Jahre Bewährung, ein Auswahlverfahren und eine anspruchsvolle Qualifizierung nötig. Dafür bietet er etwas, das die anderen Laufbahnen so nicht leisten: Führung ab dem ersten Tag, Gestaltung bundesweiter Vorgaben und Wege bis in die höchsten Führungsfunktionen.
Wenn du Jura studiert hast, gerne führst und dich in ein neues Rechtsgebiet einarbeiten willst, ist der Direkteinstieg eine ernsthafte Option. Wenn du noch am Anfang stehst und dir der operative Einsatz wichtiger ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf den gehobenen Dienst – mit dem Aufstieg als späterer Möglichkeit.
Häufige Fragen
Brauche ich unbedingt ein Jurastudium für den höheren Dienst beim Zoll?
Für den Direkteinstieg als Führungskraft ja: Der Zoll sucht dafür Volljuristinnen und Volljuristen mit mindestens zwei befriedigenden Staatsexamina. Ohne Jurastudium gibt es je nach Ausschreibung weitere Direkteinstiege, etwa für IT-Fachkräfte oder Wissenschaftlerinnen, oder den Aufstieg aus dem gehobenen Dienst.
Wie lange dauert die Einarbeitung im höheren Dienst?
Beim Direkteinstieg dauert die Berufseinführung in der Regel 12 Monate; das juristische Referendariat hast du mit dem zweiten Staatsexamen bereits hinter dir. Beim Aufstieg dauert eine fachspezifische Qualifizierung mindestens zwei Jahre, der Weg über einen Master aus dem Masterstudium plus einer einjährigen berufspraktischen Einführung – liegt der Master schon vor, bleibt nur das eine Jahr.
Kann ich vom gehobenen Dienst in den höheren Dienst wechseln?
Ja, über den Aufstieg nach der Bundeslaufbahnverordnung. Voraussetzung sind unter anderem mindestens drei Jahre Bewährung nach der Probezeit und die erfolgreiche Teilnahme an einem Auswahlverfahren mit Interview und schriftlichen Aufgaben.
In welcher Besoldungsgruppe starte ich?
Beim Direkteinstieg als Regierungsrätin bzw. Regierungsrat in A 13h. Weil die Dienstposten nach A 13h und A 14 gebündelt bewertet sind, ist eine Beförderung schon auf dem ersten Dienstposten möglich. Mit zweitem Staatsexamen startest du in Erfahrungsstufe 2.
Gibt es einen Sporttest für den höheren Dienst?
Der Zoll nennt für den höheren Dienst weder einen Sporttest noch ein Sportabzeichen. Die Auswahl im Direkteinstieg beruht auf einem circa zweistündigen, strukturierten Interview.